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„Mir geht’s gut“ heißt nicht „sono buono“: bene, buono und bravo

Das Deutsche sagt „gut“ zur Pizza, zum Singen und zum eigenen Befinden. Das Italienische trennt das in buono, bene und bravo, und manchmal wechselt auch das Verb.

Rodrigo · · 7 Min.

Auf come stai? antwortest du sono buono, grazie, und dein Gegenüber lächelt eine Spur zu lange. Im Kopf war der Satz einwandfrei. Du wolltest „mir geht’s gut“ sagen, und „gut“ heißt buono, so steht es in jedem Wörterbuch. Angekommen ist etwas anderes: dass du ein guter Mensch bist, gutmütig, vielleicht ein bisschen brav. Gefragt war nur, wie es dir geht.

Der Fehler kommt nicht aus Unachtsamkeit, er kommt aus dem Deutschen. Bei uns erledigt „gut“ alles: „Die Pizza ist gut“, „Sie singt gut“, „Mir geht es gut“. Ein deutsches Adverb sieht aus wie das Adjektiv ohne Endung, und deshalb merkst du nie, dass du in diesen drei Sätzen zwei verschiedene Wortarten benutzt. Du bringst aus deiner Muttersprache schlicht keine Grenze mit, an der du dich orientieren könntest.

Das Italienische zieht diese Grenze, und zwar an der Frage, woran das Wort hängt. Buono ist ein Adjektiv. Es beschreibt jemanden oder etwas, also ein Nomen, und passt seine Endung daran an: buono, buona, buoni, buone. Bene ist ein Adverb. Es beschreibt, wie etwas geschieht oder wie es jemandem geht, und hat keine Endung, die sich ändern könnte. Zwischen diesen beiden Wörtern entscheidet also nicht, wie gut etwas ist, sondern ob du über eine Sache sprichst oder über einen Vorgang.

Dazu kommt eine Stelle, an der dich das Deutsche aktiv in die Irre führt. Bei uns bekommt ein Adjektiv nur vor dem Nomen eine Endung: „eine gute Pizza“, aber „die Pizza ist gut“. Nach „ist“ bleibt es nackt, und dieses Gefühl nimmst du mit. Im Italienischen stimmt das Adjektiv auch hinter dem Verb mit seinem Nomen überein: la pizza è buona, i funghi sono buoni. Wer la pizza è buono sagt, hat also das richtige Wort gewählt und nur die deutsche Gewohnheit behalten, hinter „ist“ die Endung wegzulassen.

Und dann ist da noch das Verb. Die Frage nach dem Befinden, come stai?, beantwortest du mit stare und dem Adverb: sto bene, sto male, sto meglio. Ein Adjektiv, das einen Zustand beschreibt, steht dagegen mit essere: sono stanco, sono contento. Sono buono beschreibt aber keinen Zustand, sondern deinen Charakter. Ein paar feste Wendungen verbinden stare durchaus mit einem Adjektiv, stai tranquillo, sta’ zitto, stai attento, aber sie sagen, wie sich jemand verhält, meist als Aufforderung, und nicht, wie es ihm geht. Für das Befinden bleibt es bei sto bene. Das Deutsche hat für das Befinden ebenfalls eine eigene Konstruktion, „es geht mir“, und wer sie Wort für Wort überträgt, landet bei mi va bene. Den Satz gibt es, aber man versteht ihn fast immer als „das passt mir“, als Zusage zu einem Vorschlag und nicht als Auskunft über dich. Come va? ohne mi funktioniert dagegen wie „Wie läuft’s?“, und bene ist darauf eine ganz normale Antwort.

La pizza qui è buona.
Die Pizza hier ist gut.
Im Deutschen ohne Endung, im Italienischen richtet sich buono nach der Pizza.
Mia sorella canta molto bene.
Meine Schwester singt sehr gut.
Das Wort beschreibt das Singen und nicht die Schwester, also bene.
Oggi sto bene, ieri stavo male.
Heute geht’s mir gut, gestern ging’s mir schlecht.
Das Befinden nimmt stare und das Adverb.
Domani alle otto? Mi va bene.
Morgen um acht? Passt mir.
Wörtlich „es geht mir gut“, gemeint ist eine Zusage.
Lena è brava in matematica.
Lena ist gut in Mathe.
Für ein Können nimmt das Italienische meist bravo, und auch das passt sich an.

Lena kommt ohne buono und ohne bene aus. Wenn das Deutsche „gut“ für ein Können benutzt, „sie ist gut in Mathe“, „ein guter Fahrer“, greift das Italienische meist zu bravo: è brava in matematica, è un bravo autista. Das ist ebenfalls ein Adjektiv und richtet sich nach der Person. Buono über einen Menschen heißt dagegen eher gutherzig. Una persona buona ist jemand, der es gut mit anderen meint, nicht jemand, der etwas besonders gut kann.

Einen Ort gibt es, an dem dir buono ständig begegnet, ohne dass du es bemerkst: in den Wünschen. „Gute Reise“, „guten Appetit“ und „einen schönen Tag“ heißen buon viaggio, buon appetito und buona giornata. Vor einem männlichen Nomen im Singular folgt buono dem Muster von uno und wird meist zu buon, vor einem weiblichen bleibt buona. Auch buongiorno und buonasera sind nichts anderes als dieses Adjektiv, mit seinem Nomen zu einem Wort zusammengewachsen. Dass es buonasera heißt und nicht buonosera, liegt schlicht daran, dass sera weiblich ist.

Wo es knifflig wird

Beim Steigern fängt alles noch einmal von vorn an, und wieder hat das Deutsche nur ein Wort. „Besser“ beschreibt einen Vorschlag genauso wie dein Befinden. Das Italienische hat zwei: migliore ist das Adjektiv, meglio das Adverb. Questa soluzione è migliore spricht über die Lösung, oggi sto meglio über dich. Bei „schlechter“ wiederholt sich dasselbe Paar mit peggiore und peggio.

Heikel ist ein Satztyp, den das Deutsche ständig benutzt: „Es ist besser, früh loszufahren.“ „Es ist besser, dass du gehst.“ Das „es“ steht dort nur als Platzhalter, und bei den meisten Wörtern ändert das nichts: è importante partire presto, è facile sbagliare, da stehen ganz gewöhnliche Adjektive. Bei „besser“ und „schlechter“ aber nimmt das Italienische nach diesem Platzhalter das Adverb: è meglio partire presto, è meglio che tu vada, è peggio aspettare. È migliore partire presto sagt niemand. Bei „gut“ steht an dieser Stelle bene, è bene che tu lo sappia, und wo das Deutsche eher „schön“ meint, è bello che tu sia qui. Buono hörst du dort kaum. Nach è meglio che und è bene che steht übrigens der congiuntivo, und warum, ist eine eigene Geschichte.

È meglio partire presto.
Es ist besser, früh loszufahren.
Nach dem Platzhalter „es“ wird „besser“ zu meglio.

Im Gespräch hörst du meglio auch dort, wo die Grammatik migliore verlangt, etwa questo è meglio über eine von zwei Möglichkeiten. Das ist verbreitet und wird überall verstanden. In die andere Richtung gibt es diese Freiheit nicht: sto migliore ist schlicht falsch.

Woran du es hörst

Achte auf die Endungen. Buono verrät immer, zu wem es gehört: buona bei der Pizza, buoni bei den Funghi, buone bei den Lasagne. Bene klingt immer gleich, ob davor sto, hai fatto oder hai dormito steht. Zwischen diesen beiden Wörtern trennt die Endung also sauber: Richtet sich das Wort für „gut“ nach einem Nomen, war es buono, und hat es nie eine andere Form, war es bene.

Bevor du sprichst, frag deinen deutschen Satz, woran sein „gut“ hängt. Hängt es an jemandem oder etwas, das du benennen kannst, ist es ein Adjektiv, meist buono, bei einem Können bravo. Hängt es an einem Tun oder an deinem Befinden, ist es bene: canti bene, suona bene für „klingt gut“. Beim Essen und bei Gerüchen redet das Italienische allerdings lieber über die Sache selbst. „Das schmeckt gut“ heißt meist è buono, „das riecht gut“ ha un buon profumo, obwohl das deutsche „gut“ dort an einem Verb hängt. Die deutsche Endung verrät dir dagegen nur in einer Richtung etwas: Steht „gut“ mit Endung vor einem Nomen, wie in „ein guter Wein“, ist es sicher kein bene. Fehlt die Endung, weißt du noch gar nichts.

Ein letzter Fall kommt im Alltag ständig vor: „Gut, dann bis morgen.“ Dieses „gut“ beschreibt nichts, es nimmt einen Plan an. Auf Italienisch ist das bene oder va bene, allora a domani. Buono allein sagst du fast nur über etwas, das du gerade probierst.

Beim nächsten come stai? bist du dann schneller als dein deutscher Satz: bene, grazie, e tu? Keins dieser Wörter hat eine Endung, über die du nachdenken musst.

Giulia

Bologna

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